Alle hielten ihn für tot, während der Millionär heimlich überlebt hatte – verborgen an der Seite einer einfachen Frau und ihrer Kinder. Der Regen fiel mit stiller Behar… En voir plus

TEIL 2:
Er erinnerte sich an nichts aus seinem früheren Leben, doch er spürte, dass seine Hände mehr konnten, als sein Verstand ihm vergaß. Manchmal, wenn er ein Werkzeug sah, benutzte er es mit einer Präzision, die selbst ihn überraschte. Ein anderes Mal, wenn er bestimmte Worte hörte, verspürte er einen Stich in der Brust, als ob etwas in ihm erwachen wollte.
Die Kinder, anfangs misstrauisch, näherten sich ihm. Mateo stellte ihm Fragen. Sofía lächelte ihn neugierig an. Andrés spürte, ohne den Grund zu kennen, einen Frieden, den er nie zuvor gekannt hatte. Er besaß keinen Luxus, kein Geld, keine Macht, aber er hatte etwas, das ihm in seinem früheren Leben gefehlt hatte: Zeit, Stille und die Geborgenheit eines einfachen Zuhauses.
Laura stellte nie viele Fragen. Sie wusste, dass der Mann vor etwas floh, sei es auch vor sich selbst. Tief in ihrem Inneren floh auch sie vor einer Vergangenheit voller Enttäuschungen, vor einer Stadt, die sie verurteilt hatte, vor Träumen, die nie in Erfüllung gegangen waren. In dem abgelegenen Haus fanden beide Zuflucht. Währenddessen tauchte in der Stadt Alejandro Rivas' Name weiterhin in Nachrichten und Gerüchten auf.
Der verschollene Millionär, Erbe eines der größten Vermögen des Landes, wurde noch immer gesucht. Seine Geschäftspartner stritten um sein Imperium. Manche atmeten erleichtert auf, da sie ihn für tot hielten. Andere fürchteten seine Rückkehr. Niemand ahnte, dass der Mann, nach dem sie suchten, in einem vergessenen Winkel der Welt Mais anbaute und Dächer reparierte.
Eines Nachts zog ein heftiger Sturm über die Gegend. Ein Baum stürzte auf die Scheune und begrub Mateo unter sich. Laura schrie verzweifelt auf. Andrés zögerte nicht. Er rannte durch den Regen, hob schwere Baumstämme mit einer Kraft, die wie aus einer anderen Zeit schien, und schaffte es, den Jungen herauszuziehen. In diesem Augenblick zerbrach etwas in ihm.
Bruchstücke von Erinnerungen blitzten auf. Ein Büro, teure Anzüge, Besprechungen, Macht. Er sank zitternd auf die Knie. Er schlief die ganze Nacht nicht. Im Morgengrauen erinnerte er sich an seinen Namen, sein Leben, sein Vermögen. Er erinnerte sich an Verrat, Ehrgeiz, Einsamkeit. Und er erinnerte sich auch an den Unfall, wie er von der Straße abgedrängt worden war, wie jemand ihn auslöschen wollte.
  • Alle hielten ihn für tot, doch der Millionär hatte heimlich überlebt und sich bei einer einfachen Frau und ihren Kindern versteckt gehalten.
    Der Regen prasselte unerbittlich auf den Feldweg und verwandelte ihn in eine dicke Mischung aus Schlamm und verrottendem Laub. Ein Mann taumelte dahin, seine Kleidung zerrissen, sein Gesicht schmutzbedeckt, sein Blick leer. Niemand, der ihn sah, konnte sich vorstellen, dass dieser Mann, der sich kaum noch auf seinen eigenen Beinen halten konnte, einst einer der einflussreichsten Millionäre des Landes gewesen war.

    Er war monatelang verschwunden. Zeitungen berichteten von Entführung, Verrat durch einen Konzern, sogar von einer geplanten Flucht. Doch die Wahrheit war viel einfacher und viel grausamer. Er hatte einen Unfall überlebt, der ihn seiner Erinnerung und seiner Kraft beraubte, und war mitten im Nirgendwo ausgesetzt worden, fernab der Stadt, die ihn einst so geliebt hatte.

    Sie ging, bis ihre Kräfte nachließen. Sie brach neben dem Zaun eines kleinen Holzhauses zusammen, umgeben von hohen Bäumen und scheinbar endlosen Feldern. Dort lebte Laura, eine junge Frau mit von der Arbeit rauen Händen und müden Augen. Sie lebte mit ihren beiden Kindern, Mateo und Sofía, in einer so abgelegenen Gegend, dass sie nur selten Besuch bekamen.

    Das Leben dort war hart, aber ehrlich. Laura bestellte das Land, kümmerte sich um ein paar Tiere und nahm Gelegenheitsarbeiten an, um zu überleben. Der Vater der Kinder hatte sie Jahre zuvor verlassen und nichts als gebrochene Versprechen und Schweigen hinterlassen. An diesem Nachmittag ging Laura Holz sammeln, als sie eine Gestalt am Boden liegen sah.

    Einen Moment lang glaubte sie, er sei tot. Vorsichtig näherte sie sich ihm, ihr Herz raste. Als sie sah, dass er atmete, zögerte sie nicht. Mit Mühe und Angst schleppte sie ihn zurück zu ihrem Haus. Die Kinder beobachteten sie verwirrt und verängstigt von der Tür aus. Laura wusste weder, wer der Mann war, noch woher er kam, aber eines wusste sie ganz sicher: Sie durfte ihn nicht sterben lassen.

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