TEIL 2:
Seine Frau betrieb einen kleinen Stand für getrockneten Fisch, doch kaum jemand kaufte bei ihr ein. Vor Doña Anas Stand hingegen herrschte stets reger Betrieb.
Jedes Mal, wenn er dort vorbeikam, murmelte er verächtlich:
„Hältst du dich jetzt für eine Heilige? Weil du Landstreicher durchfütterst?“
Ana presste die Lippen zusammen und tat so, als hätte sie nichts gehört.
Doch sie wusste genau: Carlos konnte ihr Ärger machen. Und sollte es so weit kommen, wären Mateo und Pablo die Ersten, die darunter zu leiden hätten.
Von jenem Tag an begann sie, ihnen auf diskretere Weise zu helfen.
Sie reichte ihnen ihr Essen in einer Tüte, ganz so, als hätten sie lediglich eine Besorgung für sie erledigt. Manchmal winkte sie sie hinter den Stand.
Die Jungen bemerkten die Veränderung.
Doch sie stellten keine Fragen.
An einem kalten Nachmittag, als der Markt fast menschenleer war, sprach Mateo zum ersten Mal das Thema an.
„Es liegt an dem Wachmann … oder?“ Ana zögerte einen Moment, dann nickte sie.
„Ich möchte nicht, dass ihr in Schwierigkeiten geratet. Es gibt Leute, die einfach nicht verstehen, warum jemand anderen helfen sollte.“
Pablo rückte die Jacke zurecht, die er sich über die Schulter geworfen hatte.
„Falls es gefährlich wird … hören wir auf zu kommen.“
Er sagte es ganz ruhig.
Doch diese Worte lasteten schwerer auf Anas Herzen als jede Beleidigung es je gekonnt hätte.
„Wir werden schon zurechtkommen.“
Das bedeutete Kälte.
Hunger.
Nächte auf der Straße.
Der Winter brach in jenem Jahr früh herein.
Der Markt begann sich zu leeren. Es gab immer weniger Kunden, immer weniger Geld.
Mateo und Pablo kamen nun seltener vorbei.
An manchen Tagen tauchte nur einer von ihnen auf, die Hände rot vor Kälte. An anderen Tagen kam überhaupt keiner von beiden.
Ana wartete jeden Morgen auf sie, ihr Blick schweifte unbewusst zum fernen Ende der Straße.
Bis sie eines Tages nicht erschienen.
Auch am nächsten Tag nicht.
Und auch am Tag darauf nicht.
Nach einer Woche ging Ana in die Industrial Street. Sie fragte die Nachbarn. Jemand erzählte ihr, dass die Unterkunft im Keller nach einer Beschwerde geschlossen worden sei.
Die Jungen waren noch in derselben Nacht aufgebrochen.
Niemand wusste, wohin sie gegangen waren.
Doña Ana setzte sich auf eine Bank und verharrte dort lange Zeit, den Blick starr auf den Boden gerichtet.
Sie spürte eine schwere Last auf ihrer Brust.
Dann ging sie nach Hause.
Das Leben wartet schließlich auf niemanden.
Jahre vergingen.
Der Markt von La Merced verfiel weiter, bis er schließlich ganz geschlossen wurde.
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