TEIL 2:
„Die Präsentation endet um sieben. Abendessen mit der Firma. Warte nicht auf mich.“
Lucía blickte auf. In genau diesem Augenblick entdeckte Álvaro sie.
Er erblasste nicht sofort. Zuerst erstarrte er, als versuche sein Gehirn noch zu entscheiden, welche Version der Realität es verteidigen sollte. Dann öffnete er die Lippen. Elena drehte den Kopf, erkannte Lucía und wich einen Schritt zurück. Der Geiger hörte auf zu spielen.
Lucía lächelte.
Sie schrie nicht. Sie weinte nicht. Sie stellte keine Fragen.
Sie griff in ihre Handtasche, holte ihr Handy hervor und öffnete eine E-Mail, die sie in den frühen Morgenstunden verfasst hatte. In der Betreffzeile stand: Finanzielle und unternehmensbezogene Unterlagen. Hauptgegenstand: Álvaro Martín Ortega. Im Anhang befand sich eine komprimierte Datei. Einhundertzwölf Seiten: Audioaufnahmen, Überweisungen, Briefkastenfirmen, Namen, Daten.
Sie drückte auf „Senden“; die Nachricht war an den FBI-Rechtsattaché der US-Botschaft in Madrid adressiert.
Und erst dann – als die Nachricht von ihrem Bildschirm verschwand – wurde Álvaro klar, dass die Hochzeit soeben zu etwas völlig anderem geworden war.
- Lucía Serrano war seit acht Jahren mit Álvaro Martín verheiratet und seit sechzehn Jahren mit Elena Robles befreundet. Die drei hatten gemeinsam zu Abend gegessen, die Sommer an der Küste von Cádiz verbracht, Geburtstage in Malasaña gefeiert und Weihnachten in dieser vertrauten, angenehmen Atmosphäre verbracht, die einen die Vorsicht fahren lässt. Deshalb empfand Lucía keine Eifersucht, als Álvaro ihr an jenem Freitag im Juni um 12:07 Uhr eine SMS schrieb: „Ich gehe zur Konferenz für Handelsrecht. Ich rufe dich später an .“ Sie empfand etwas anderes: eine kalte Stille.
Am Abend zuvor hatte sie auf der Suche nach einem Ladekabel im Büro im Druckerfach eine Überweisungsquittung einer Behörde aus Toledo gefunden, zusammen mit einem lose verschlossenen Ordner mit Kopien von Ausweisen, Urkunden und einer Reservierung für ein Anwesen am Stadtrand von Aranjuez. Ihr Name stand auf keinem der Dokumente. Álvaros Name schon. Elenas. Und ein Wort, das keinerlei Interpretation zuließ: Zeremonie .
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